Archiv für Oktober 2009

Miss Plastik-Chirurgie als Schönheitsideal?

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Kürzlich berichteten der ORF und zahlreiche andere Medien über eine außergewöhnliche Miss-Wahl aus Ungarn: Bei der Miss Plastic Hungary durften nur Kandidatinnen antreten, die zuvor plastisch-chirurgische Eingriffe über sich ergehen ließen. Den Titel gewann schließlich eine 22-jährige Hostess, bei der Chirurgen nicht nur mit Spritzen nachgeholfen hatten – eine Behandlung mit Botox alleine hätte nämlich nicht ausgereicht, um an der Miss-Wahl teilnehmen zu dürfen.

Den Berichten zufolge gewannen aber nicht nur die mit Plastik „aufgehübschten“ Damen Preise, sondern auch die Plastik-Chirurgen, die mit Skalpell und Silikon der Natur nachhalfen. Eine Bewerberin hatte sogar eine Operation an den Zehen über sich ergehen lassen, um dem Ideal des „perfekten Körpers“ scheinbar näherzukommen. Doch diese Wahl erscheint im Lichte der aktuellen Trends und Entwicklungen im Bereich der Schönheitsmedizin geradezu anachronistisch.

Seit einiger Zeit geht der Trend in der Schönheitsmedizin unzweifelhaft in Richtung der Wiederherstellung der natürlichen Schönheit und Gesundheit. Ein gesunder Körper strahlt nämlich immer auch Schönheit aus und natürliche Schönheit kann zu einem besseren Wohlbefinden führen.

Die Neue Kosmetische Chirurgie hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst schonend und natürlich zu mehr Schönheit und Gesundheit zu führen: Brustvergrößerungen mittels Silikonimplantaten und operative Facelifts können in vielen Fällen durch Behandlungen mit Stammzell-angereichertem Eigenfett ersetzt werden – die Folge sind natürliche Ergebnisse ohne Narben und implantierte Fremdkörper. Hartnäckige Fettdepots können mittels eigens entwickelter und patentierter Mikrokanülen schonend entfernt werden, in vielen Fällen reicht schon das Beheben hormoneller Imbalancen mittels bioidentischer Hormone (Hormonal Regeneration®), um kosmetische Verbesserungen zu erzielen.

Wer hingegen besonders künstlich aussehen will, mag auch in Hinkunft zu Plastik und Plastik-Chirurgie greifen. Ob die Ergebnisse auch außerhalb eines Miss-Plastik-Contests einen Preis verdienen, sei dahingestellt.

Ihr DDr. Heinrich

Wer verunstaltete Michael Jackson?

Freitag, 2. Oktober 2009

Kürzlich lief in ORF2 der Club2 zum Thema „Silikon und Schlankheitswahn“. Es diskutierten u.a. Dr. Mang, Dr. Holle, Cordula Reyer, sowie ein Philosoph, ein Musikmanager und eine Mediensoziologin. Ich fand die Diskussion teilweise philosophisch sehr inspirierend, aber auch die Schönheitschirurgen nannten das Kind nicht beim Namen: Menschen erzeugen Nachfrage, Nachfrage erzeugt Angebot, über Angebote wird in den Medien berichtet und das erzeugt weitere Nachfrage. Ärzte, denen kosmetisches Arbeiten Spaß macht, bieten ihre Dienste an. Patienten wählen zwischen angebotenen Leistungen und Anbietern und erzeugen damit Trends in der kosmetischen Chirurgie.

Unpassend und unzutreffend war, daß der Facharzt für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie Dr. Holle verpfuschte Schönheitsoperationen jenen kosmetischen Chirurgen zuschob, die keine Fachärzte für Plastische Chirurgie sind! So waren es z.B. tatsächlich Fachärzte für Plastische Chirurgie, die Michael Jackson verunstaltet haben.

Kosmetische Chirurgen der Fachherkunft Plastische und Rekonstruktive Chirurgie haben in Ihrer Ausbildung chirurgisch anspruchsvolle und aufwendige rekonstruktive Operationen gelernt und tendieren naturgemäß eher dazu, das Skalpell großzügig einzusetzen, bzw. aufwendig und invasiv zu operieren. Dies ist natürlich bei der Rekonstruktion nach Unfällen und Tumorentfernungen oft unumgänglich, in der Schönheitsmedizin hingegen meist „too much“, auch weil unnatürliche Ergebnisse und Komplikationsraten durch invasives Operieren stark zunehmen.

Außerdem stimmt es natürlich nicht, daß, wie Dr. Holle meinte, Plastische Chirurgen kosmetische Eingriffe in ihrer Spitalsausbildung lernen würden. Kein einziger heute in Österreich arbeitender Plastischer Chirurg hat kosmetische Eingriffe während seiner Fachausbildung lernen können. Dies gilt, wie wir Ärzte wissen, genauso für Plastische Chirurgen in anderen Ländern. Oder würden Sie sich eine einen Schönheitseingriff von einem in Ausbildung befindlichen Chirurgen in einem Ausbildungsspital machen lassen?

Alle Ärzte, die kosmetisch arbeiten wollen, müssen dies zunächst in bezahlten Zusatzkursen lernen. Egal ob Plastischer Chirurg (wie Holle), HNO-Arzt (wie Mang), oder Arzt für Allgemeinmedizin (wie ich). Später zeigt sich dann, wer wofür Talent hat und wem die Patienten vertrauen.

Ihr DDr. Heinrich